Gustav Wyneken (1875-1964) - biographische Notizen

  Wyneken war der Sohn eines Pfarrers in Norddeutschland, er besuchte die
    Klosterschule Ilfeld

  Studien in Philosophiegeschichte, Nationalökonomie, Theologie, Germanistik,
     klassischer Philologie

  Dissertation 1989: "Hegels Kritik Kants", 1899 Oberlehrerprüfung

  Lehrertätigkeit bei Hermann Lietz am Landerziehungsheim (eine Art
     Internats-Reformschule in ländlicher Gegend)

  Wynekens radikal-konsequente Art brachte ihm viel Ärger ein: nach seinem
   Kirchenaustritt 1902 mußte er auf Betreiben des kirchlichen Schulamtes den Posten
     als Leiter des Landerziehungsheims Haubinda aufgeben; später gab es auch heftige
     Auseinandersetzungen mit Lietz, bei denen es letztlich um Macht und Einfluß auf
     Schüler ging

  1906 verließ Wyneken mit einigen Getreuen die Landerziehungsheime, nachdem der Streit
     mit Lietz zu einem handfesten Skandal ausgereift war; mit seinem Freund Paul Geheeb
     gründete er die Freie Schulgemeinde Wickersdorf

  durch die Freie Schulgemeinde etablierten sich erste Kontakte mit Jugendbewegten,
     die als 'Praktikanten' an die Reformschule kamen

  schon bald gab es eskalierende Auseinandersetzungen zwischen Wyneken und Geheeb
     im Hinblick auf Idee und Ausgestaltung der Freien Schulgemeinde (und mithin letztlich
     wieder um Einfluß), Schüler, Lehrer und Eltern wurden in die Konflikte einbezogen

  Geheeb ging 1909 (er realisierte seine Ideen dann mit der Odenwaldschule); Wyneken
     wurde 1910 die Konzession als Schulleiter entzogen

  auf der Suche nach neuen Handlungsräumen engagierte sich Wyneken recht bald in der
   bürgerlichen Jugendbewegung, wo er versuchte, seine Vorstellung von autonomem
     jugendgemäßem Leben einzubringen - die sich nach seiner Ansicht nur in einem Netz von
     Freien Schulgemeinden verwirklichen lasse

  auf Interesse stieß er vor allem bei der "Jugendkulturbewegung"; die bürgerlich-
     konservativen Wandervogel-Bünde hingegen, um die er so vehement warb, distanzierten
     sich immer wieder ausdrücklich von ihm: sie fürchteten nicht zuletzt um ihr wohlwollendes
     Ansehen bei Eltern- und Lehrerschaft, das ihnen als Minderjährigenvereinigung die
     Existenz sicherte 
 

 Date of last change: 26.04. 2003